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Kunstprojekt Unart: Künstlerisches arbeiten mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen im Atelier

Künstlerisches arbeiten mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen im Atelier

Vortrag Verein für Kunsttherapie Köln e.V. Dezember 2003
Eva Cukoic

Zur Einführung in die Thematik möchte ich einen kurzen Blick auf die Historie der bildnerischen Produktionen von psychisch kranken Menschen werfen und Theorieansätze herausgreifen, die für unsere Arbeit von Bedeutung sind.

In dem gerade zu Ende gegangenen 20. Jahrhundert war der Einfluss der Kunst von Außenseitern so groß, wie in keinem anderen Jahrhundert zuvor. Die künstlerische Avantgarde zu Beginn des letzten Jahrhunderts entdeckte die bildnerischen Produktionen von Kindern u. psychisch Kranken, die Kunst der Primitiven, und ließen sich von ihr inspirieren. Als Bildquelle dienten sie Künstlern wie Paul Klee, Max Ernst, der Cobra und Oldenburg. Der Künstler Jean Dubuffet gab schließlich diesen Werken ihre kunsthistorische Zuordnung mit dem Begriff Art Brut, als rohe ungeschliffene, akademisch und seiner Meinung nach auch kulturell unbeeinflusste Kunst.

Prinzhorn, Kunsthistoriker und Psychiater spricht in seinem Werk „Bildnerei der Geisteskranken“ 1922 von einem „sich ständig erneuernden Ausdrucksbedürfnis, einer Gestaltung als Prozess eines sich äußernden Triebes“. Er vertrat die Meinung, das ein bildnerisches Produkt nicht aus Gesundheit oder Krankheit, sondern aus Gestaltungskraft entstehe.

Margarete Naumburg, wendete in den 40er Jahren den „Ausdruck unbewusster Gefühle“ erstmals kunsttherapeutisch an. Die bildnerische Form wurde dabei vernachlässigt, da gemäß Freud`scher Vorstellung „ das Formale den Inhalt verhüllt“. Bilder werden bei ihr als Ergänzung der sprachlichen Symbole betrachtet, als Mittel der symbolischen Kommunikation.

Für Edith Kramer kommt der bildnerischen Arbeit eine ordnende Funktion zu. Das Gelingen der formalen Bewältigung bekommt Bedeutung, wird als Versuch verstanden „Ordnung im Chaos“ herzustellen, als Versuch der Ich-Bildung und Ich Stabilisierung.

Kohut als ein Vertreter psychoanalytischer Konzepte der Narzissmustheorie, sieht in der Kunst das Bemühen, mit einem Auseinanderbrechen des Selbst fertig zu werden.

Nach psychoanalytischen Vorstellungen knüpft künstlerisches Arbeiten einen Bezug zu allerfrühesten primären, vorsprachlichen Erlebnissen der ersten 18 Monate an, aus dem Bereich des „Unerinnerbaren und Unvergesslichen“ (A.Frank).
Primäre und sekundäre psychische Prozesse lassen sich im Bild gleichzeitig darstellen. Kunst und Musik entspricht dem präsentativen Symbolsystem, d .h. verschiedenes und kontroverses kann gleichzeitig dargestellt werden. Sprache hingegen ist diskursiv, d.h. es ist nur ein nacheinander möglich.

Jeder von Ihnen hat sicher schon bemerkt, das es bei dem Versuch bildnerische Symbole in Sprache zu transformieren, unweigerlich zu einer Veränderung kommt.

Aus dem Bereich der Entwicklungspsychologie hat Winnicott das Konzept des Übergangobjektes geprägt.
Danach wird das Omnipotenzgefühl des Säuglings durch die Erfahrung der Abwesenheit der Mutter gestört und erfährt in dem Übergangsobjekt einen Tröster, der zu der Außenwelt gehört, aber die vom Säugling illusionär erschaffene Mutter bedeutet. Erst wenn das Kind fähig zur Illusion ist, darf die Desillusionierung erfolgen. In der Beziehung zwischen subjektiv Vorgestelltem und objektiv Wahrnehmbaren entwickelt sich der intermediäre Bereich, die Wurzel für Symbolbildung, Imagination und Spiel und damit die Entwicklung eines wahren stabilen Selbst. (das kann z.B. „innerhalb des Ateliers eine Raum im Raum Konstruktion sein ,als Schutzraum)“