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Kunstprojekt Unart: Das ist Unart

Das ist Unart

UNART ist eine geile Truppe von Leuten, die ihr Leben leben und malen was sie leben.“ (O.-Ton, Mark, 16 Jahre, UNART-Künstler) – Aus Katalog UNART 1995 – 96

Die “geile Truppe von Leuten” sind Patientinnen und Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie Essen und die Künstler, die mit uns UNART-Künstlern arbeiten. In unserem Atelier in Kettwig können wir tun und lassen, was wir wollen. Nach einer Tasse Kaffee fangen dann die meisten an, an irgendetwas zu arbeiten. Dazu können wir jegliches Material, was wir entdecken, verwenden. Das kann Farbe, Ton, Sperrmüll, Film- und Fotomaterial oder sonstiges sein. Die Arbeiten, die dabei zustande kommen, werden teilweise auch an die Öffentlichkeit gebracht. Eine Arbeit z.B., die sich mit der Veränderung des Essener Straßen- und U-Bahnsystems beschäftigte, wurde von der UNART-Gruppe persönlich dem Bürgermeister überbracht. Ebenso drehten wir ein Video von unserer Version der „100.00 € Show“.
(Jennifer, 18 Jahre, UNART-Künstlerin) – Aus Katalog: „UNART und „Die Liebe zu den drei Orangen“

Un-Art-ige Erfahrungen mit der Kunst

(Katrin 19 Jahre)

Was kommt wohl dabei heraus, wenn eine Künstlerin und Patienten der Klinik zusammen malen, experimentieren, sich Freiraum schaffen für unkonventionelle Ideen? – Zum Beispel ein fürchterlicher Teufel oder ein gieriger Löwe als Zielscheibe, auf die mit Tonklumpen geworfen wird.

Es war an einem Montagnachmittag im Mai, als ich mich nach vier Monaten soweit mit dem Materialien vertraut gemacht hatte, dass es mir gelang, im wahrsten Sinne des Wortes den Teufel an die Wand zu malen. In einer Mischung von rot, schwarz und lila Tönen entstand in „Strichtechnik“ ein furchterregendes zotteliges Monster.

Doch dabei blieb es nicht. Einer der Künstler, der hartgewordenen Ton wieder aufweichte, ließ sich durch das Bild inspirieren und zeichnete im nassen Ton ein Skelett. Zusammen mit verrostetem Metall ließ er es trocknen.

Ein weiteres Motiv ergab sich aus dem Besuch der Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“. Nachdem ich über längere Zeit mit Schablonen experimentiert hatte, wollte ich etwas ganz anderes ausprobieren und wählte eines der Bühnenbilder aus der Aufführung aus.

Dazu fertigte ich auch eine Skizze an, die ich als Vorlage genauso aufs Papier bringen wollte. Ich holte mir Anregung bezüglich der Hintergrundgestaltung (ein wässriges Gelb als Boden des Königspalastes), malte Prinzen, Bett, Hexe und hintere Wand. Al s ich gerade eine weitere Person aufs Papier bannen wollte, fiel mir auf, das das Bild nicht mehr „wirken“ würde, wenn ich noch die Ärzte und die Fee hinzufügte, war mir aber sehr unsicher, ob ich das Bild so lassen könne. In Rücksprache mit einem „Fachmann“ beließ ich es dabei.

Während der acht Monate Therapie hat mir die Kunstgruppe sehr geholfen, mir mehr Freiraum und Ausprobieren zu gestatten und mit mehr Mut zur Intuition einfach lockerer mit mir selbst umzugehen. Obwohl alle viel „Eigenes“ gestaltet haben, gab es dennoch eine rege Auseinandersetzung mir den Ideen der anderen.

Ich und die Kunst-AG

(Phoung, 19 Jahre)

In der Zeit, in der ich an der Kunst-AG teilnahm, beschäftigte ich mich zum größten Teil mit Kontrastfarben. Es entstand eine Serie von Schmetterlingsbildern verschiedener Form und Größe, die sich noch zu einer Collage verarbeiten ließ.

Mir Kam die Idee, mit Tusche einige Muster zu gestalten. Ich bemalte einen langen Papierstreifen mit Tieren, Landschaften und Blumen etc. Ich hatte deshalb besonders viel Freude am Malen der Motive, weil der Gebrauch des chinesischen Kaligraphie-Pinsels Erinnerungen an meine Kindheit in Vietnam wachrief.

Die Gruppenarbeit machte mir sehr viel Spaß- Leider konnte ich nur wenige Male teilnehmen. Die vielen Ideen, mit denen wir uns auseinandersetzten, haben mich persönlich ein großes Stück weitergebracht. Vielleicht ergibt sich ab und an die Gelegenheit, die Kunst-AG von zuhause aus zu besuchen.

Tee, Kaffee und Farben

(Diana, 16 Jahre, in Zusammenarbeit mit Nicole, 16 Jahre)

Jeden Montagnachmittag freue ich mich auf die Kunst-AG. Wir fahren um fünfzehn Uhr mit einem Privatbus, der uns zur Verfügung gestellt wird, zu einer Schule in Essen Kettwig. Dort befinden sich zwei große Räume, die unserer Kunst-AG als Atelier dienen.

Der eine Raum ist mit einer kleinen Werkstatt eingerichtet. Dort können Holz- und Tonarbeiten erledigt werden. Ganz rechts in der Ecke befindet sich eine gemütliche Sitzecke, in der wir, bevor wir mit unseren künstlerischen Aktivitäten beginnen, gemütlich in der Runde mit Tee oder Kaffe beisammen sitzen.

Der andere Raum ist unser Malatelier. Hier können wir, ohne dass uns ein gestimmtes Thema vorgeschrieben wird, unserer Phantasie freien Lauf lassen. Als ich das erste Mal zur Kunst-AG ging, nahm ich mir vor eines dieser schönen Bilder zu malen, wie ich sie auf der Jugendstation der Klinik schon oft bewundert hatte. Einer der Künstler, die uns in der Kunst_AG betreuen, gab mir ein riesengroßes Blatt Papier, an dem ich mich auslassen könnte. Nachdem ich anfängliche Hemmungen überwunden hatte, suchte ich mir die Farben zusammen und begann einen Pinselstrich nach dem anderen zu ziehen. Ohne mir vorher eine Vorstellung von dem Bild gemacht zu haben, vervollständigte sich das Bild zusehens. Es war eine Überraschung für mich zu sehen, wie das Zusammenspiel der Farben auf dem Blatt wirkte. Es war eine Erfahrung für mich, durch die Kombination der Farben und meiner Gefühle ein Bild zu malen.

Anne K.

Jeden Donnerstag treffen wir uns zu unserer Kunst-AG in Essen Haarzopf. Um halb drei geht es vom Krankenhaus aus los. Ich freue mich dann immer riesig, denn dort finde ich es toll. 10-20 Minuten dauert die Fahrt. Wenn wir dort ankommen, werfen wir uns in alte Klamotten oder ziehen uns einen alten Kittel über. Dann machen wir uns an die Ideen oder Gefühle. Wir versuchen sie in Farben, Ringel, Kringel Striche oder anderen Materialien auszudrücken.

Wir können aber auch machen, was wir wollen. Zum Beispiel Holz- oder Stoffarbeiten. Das Tolle ist, man kann tun und lassen, was man möchte, ohne dass einer den anderen zu etwas zwingt. Aber das Tollste ist, wir haben auch eine Sofaecke. Wenn wir totalen Frust haben, können wir uns dort auch verkriechen. Kaffee gibt es dort auch. Den finde ich richtig toll. In den letzten Wochen haben wir uns an eine Palme gemacht, (uns Ute und ich). Zuerst haben wir Draht zerschnitten und das Modell einer Palme zurechtgebogen. Danach haben wir Gips darüber geformt. Dann mit Farben übermalt. Und zuletzt Kokosnüsse aus Stoff und mit Draht befestigt. Das ist unser Stolzes Werk.


„Durch den künstlerischen Ausdruck können wir hoffen, in Berührung mit unseren primitiven Selbstanteilen zu bleiben, von denen sich die heftigsten Gefühlsregungen und schrecklich akute Empfindungen herleiten, und wir sind in
der Tat arm, wenn wir nur gesund sind.

D.W. Winnicott